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Burkhard Jägerfeld

FDI-Bezirk Göttingen/Hannover/Hameln

Beiträge: 61

Wohnort: Herzberg am Harz

Beruf: Schriftsetzer, Schriftsetzermeister und Industriefachwirt

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Mittwoch, 21. März 2018, 11:32

Der Wandel im Etikettendruck - eine interessante Beobachtung

Der aktuelle Kommentar
Domino und der Wandel im Etikettendruck

21. März 2018 25
Jahre Etiketten-Labels, 25 Jahre spannende Innovationen. Dazu gehört
auch der UV-Inkjet-Druck. Einer der wesentlichen Anbieter in diesem
Bereich ist Domino. Das Unternehmen hat zusammen mit Partnern in den
letzten Jahren zahlreiche interessante Lösungen präsentiert.
Etiketten-Labels bat Philip Easton, Director – Digital Printing
Solutions at Domino Printing Sciences, um einen Kommentar zu seiner
Sicht auf die letzten 25 Jahre.



Philip Easton, Director – Digital Printing Solutions at Domino Printing Sciences (Quelle: Domino)

Es ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Johannes Gutenberg im Jahr 1454
die erste konventionelle Druckpresse erfand, dieses Verfahren, mit dem
viele von uns groß geworden sind und das Jahr für Jahr Wachstumsraten
verzeichnen konnte, aber erst in den letzten 25 Jahren in Frage gestellt
wurde. Bei verschiedenen Anwendungen erleben wir jetzt den Abschied vom
konventionellen Druckvorgang. Die Digitaldruck-Technologie bricht in
die Domäne des konventionellen Drucks ein und stört somit dessen
Weiterentwicklung und Nutzung.
Innovation Digitaldruck
Die
größten Auswirkungen dieser digitalen Revolution auf die Druckbranche
ergeben sich für Druckmedien, die für Kommunikationszwecke genutzt
werden. Vor 25 Jahren wurden für die Massenkommunikation hauptsächlich
Medienkanäle wie Fernsehen und Radio und Druckerzeugnisse wie
Zeitschriften und Magazine eingesetzt. Zu den Neueinsteigern zählt neben
dem Digitaldruck vor allem die digitale elektronische Kommunikation
über soziale Medien und das Internet. Die Werbeeinnahmen, die diesen
Sektor weitgehend finanzieren, werden jetzt mit den neuen digitalen
Medienformaten geteilt, und der Druck scheint sich endgültig im
Niedergang zu befinden.

Doch auch das konventionelle Bedrucken
von Etiketten (und neuerdings auch von Verpackungen) bekommt die
Konkurrenz durch den Digitaldruck zu spüren. Natürlich haben wir auch
den Umstieg von Buchdruckmaschinen zu Offset- und Flexodruckmaschinen
und jetzt die zunehmende Verwendung des hochauflösenden High
Definition-Flexodrucks erlebt. Der HD-Flexodruck konkurriert vor allem
aufgrund der verbesserten Repro- und Plattentechnologie um Aufträge, die
üblicherweise im Offset-Verfahren gedruckt wurden.

Von wasserbasiert zu UV-Tinte

Auch die Tintentechnologie hat sich gewandelt: Vom Druck mit größtenteils
wasserbasierten Tinten – vor allem auf Papieretiketten mit hohem
Wartungsaufwand und längeren Rüstzeiten – hin zu UV-aushärtenden Tinten
auf einer steigenden Anzahl von Polypropylen- und
Polyethylen-Kunststoffetiketten. Die Nutzung von UV-aushärtenden Tinten
senkt sowohl beim Anfahren als auch bei Auftragswechseln den
Arbeitskräftebedarf und steigert die Betriebseffizienz. Der Druck von
UV-aushärtenden Tinten auf Kunststoffetiketten bietet eine längere
Haltbarkeit und oftmals bessere Druckergebnisse.

Das Streben nach Effizienzverbesserungen mithilfe des Flexodrucks hat in den letzten
fünf Jahren an Dynamik gewonnen: Ein rascher Austausch der Platten dank
Sleeve-Technologie, servogesteuerte Registrierung und automatische
Registrierungsregelung sind Beispiele dafür, wie die Rüstzeiten, der
Materialabfall und die Arbeitszeiten für Auflagen reduziert werden
sollen. Diese Entwicklungen zielen darauf ab, die Attraktivität dieser
Technologie im Vergleich zu alternativen Digitaldruck-Technologien, bei
denen die Kosten eines Rüstvorgangs minimal sind, zu steigern.

Von Stunden zu Minuten

Der Digitaldruck wurde erstmals in den 1990er-Jahren eingesetzt und eine
Zeit lang als Nischenanwendung angesehen. Nachdem die ersten digitalen
Tonermaschinen aufkamen, wurden jedoch Verbesserungen bei der
Produktivität, der Zuverlässigkeit und der Konstanz der Druckergebnisse
erzielt. Am meisten machten sich diese Verbesserungen bei den Kosten
eines Auftragswechsels oder Rüstvorgangs bemerkbar: Funktionen, die
zuvor mehrere Stunden dauern konnten, nahmen nun häufig nicht einmal
mehr zehn Minuten in Anspruch. Plötzlich hatten Markeninhaber die Wahl
zwischen dem Flexodruck mit hohen Anfangskosten, z. B. für Druckplatten
und Rüstzeiten, aber anschließend mit geringen Stückkosten und höheren
Druckgeschwindigkeiten und dem Digitaldruck mit fast keinen
Auftragswechselkosten und Rüstzeiten, aber dafür höheren Stückkosten
(meistens „Click-Charge-Gebühren“) pro Etikett und geringeren
Betriebsgeschwindigkeiten. Kurz: Kürzere Rüstzeiten, aber geringere
Druckgeschwindigkeiten.


Blick auf die Domino N610i mit offenem Druckwerk (Quelle: Domino)

Enorme Geschwindigkeitssteigerungen

In den vergangenen fünf Jahren haben wir die Geburt und rasante
Entwicklung der digitalen Inkjet-Technologie erlebt. Mehrere Anbieter
sind in diesen Markt eingestiegen (unter anderem Domino Printing
Sciences), und wir konnten die rasche Weiterentwicklung der Technologie
miterleben: Die Druckauflösung hat sich verdoppelt und verdoppelt sich
mittlerweile erneut. Die Geschwindigkeiten sind auf 70 m/min angestiegen
und liegen somit weit vor der durchschnittlichen Toner-Technologie. Die
Inkjet-Technologie nähert sich nun an Geschwindigkeiten an, die in der
Regel von konventionellen Druckverfahren erreicht werden, erfordert
allerdings keinerlei Rüstzeit. Gleichzeitig wurden die typischerweise
mit der digitalen Produktion verbundenen höheren Kosten für Toner/Tinte
stetig reduziert. Hinzu kommt die ständige Senkung der Auflagenhöhen, da
den Markeninhabern zunehmend bewusst wird, dass es nicht mehr nötig
ist, Etiketten für mehrere Monate im Voraus zu kaufen. Insgesamt
betrachtet heißt das, dass mehr Produktionen bei Verwendung der
digitalen Inkjet-Technologie auch bei den Kosten konkurrenzfähig werden.
Mit der Einführung konventioneller/digitaler Hybriddruckmaschinen wie
der MPS EF Symjet, innerhalb der Inkjet- und Flexodruck sowie
Inline-Finishing kombiniert werden, ist nun eine breitere Palette an
Anwendungen möglich, wodurch Aufträge mit speziellen Anforderungen für
Sonderfarben und anderen Verzierungen produziert werden können.


Digitaldruckeinheit eingebaut in die EF Symjet von MPS (Quelle: Michael Scherhag)

Digitaldruck und die Umwelt

Auch umweltpolitische Argumente begünstigen die digitale Produktion immer
mehr. Beim Flexodruck entsteht während des Rüstvorgangs Materialabfall.
Bei kleinen Auflagen kann es sich dabei um genauso viel Material handeln
wie an den Markeninhaber geschickt wird. Aufgrund der hohen Rüstkosten
kaufen Kunden jedoch außerdem mehr Etiketten ein, als sie tatsächlich
benötigen. Die Etiketten werden immer mit dem Risiko in den Lagerbestand
übernommen, dass sie veralten, ohne jemals für ein Endprodukt
verwendet zu werden. Im Gegensatz dazu entsteht beim Digitaldruck häufig
nur sehr wenig Materialabfall während des Rüstvorgangs. Aus
wirtschaftlicher Sicht ergeben regelmäßige Auflagen Sinn, die die
Anforderungen der Kunden dann erfüllen, wenn sie auch tatsächlich
Etiketten benötigen. So wird das Risiko von Materialabfall durch die
Veraltung von Etiketten reduziert.

Dieses Jahr beschreiben die Nutzer die Inkjet-Technologie als die Zukunft des Etikettendrucks. Sind
das die ersten Anzeichen für einen grundlegenden Wandel beim Etikettendruck?
Schlussendlich entscheidet darüber der Markt:
Erfolgreiche Unternehmen sind offen gegenüber diesen Veränderungen, die
anderen werden sie nicht überleben.

Aus Newsletter Etiketten Labels
FDI Bezirk Göttingen/Südniedersachsen
Führungskräfte der Druckindustrie und Informationsverarbeitung e.V.

Burkhard Jägerfeld - Ehrenvorsitzender


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